Vortrag Jungenpädagogik
Frau Raff
Vortrag „Jungenpädagogik“ mit Birgit Gegier-Steiner am 9.11.2017

„Mädchen petzen, zicken und wollen sich immer hübsch machen“, „Jungen sind wild, cool und verrückt“ – so zumindest die Aussagen einiger Erstklässlerinnen und Erstklässler, mit denen Birgit Gegier-Steiner am vergangenen Donnerstag ihren kurzweiligen Vortrag eröffnete.

Viele waren gekommen, um der Autorin des Buches „Artgerechte Haltung – es ist Zeit für eine jungengerechte Erziehung“ zuzuhören, und die Aula des Hegel-Gymnasiums war bis auf denletzten Platz gefüllt. Auf unterhaltsame Weise erzählte Gegier-Steiner Anekdoten aus ihrem Alltag als Rektorin einer Grundschule und als Mutter von Söhnen, in der die Zuhörerinnen und Zuhörer, Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte eigene Erfahrungen wiederfinden konnten.
Jungen haben einen großen Bewegungsdrang, schätzen die haptische Erfahrung, entdecken die Welt experimentierend und wirken häufig impulsiv und unkontrolliert. Erziehung dagegen wird immer weiblicher: Im Kindergarten und in der Grundschule treffen die Jungen fast ausschließlich auf weibliche Bezugspersonen und auch in den weiterführenden Schulen geht der Anteil an männlichen Lehrkräften immer weiter zurück. In den Familien verbringen in der Regel immer noch Mütter wesentlich mehr Zeit mit den Kindern als Väter.
Vortrag Jungenpädagogik
Frau Gegier-Steiner
Es ist also Zeit dafür, so das Plädoyer von Gegier-Steiner, verstärkt die jungentypischen Bedürfnisse in den Fokus zu nehmen. Jungen brauchen Bewegungsfreiheit mit klaren Regeln, so lässt sich das, was Gegier-Steiner als „fußballdidaktisches Prinzip“ bezeichnet, kurz zusammenfassen. Und das gilt keineswegs nur für Kindergarten und Schule. „Erziehung findet vor allem in den Familien statt, die Bildungseinrichtungen können nur noch zu einem kleinen Teil ausgleichend wirken“ so Gegier-Steiner.
Lebhaft wurden in der anschließenden Diskussion, die von der Elternbeiratsvorsitzenden Gabriele Raff mit viel Elan moderiert wurde, eigene Erfahrungen von Schülern, Familien und Lehrkräften ausgetauscht. Auch deutlich kritische Stimmen wurden laut, die sowohl die von der Referentin postulierten Geschlechterunterschiede in Frage stellten als auch die Notwendigkeit von mehr Wettbewerb im Unterricht.

Und damit entstand an dem Abend genau das, was sich der pädagogische Arbeitskreis zum Ziel seiner Auftaktveranstaltung gesetzt hatte: Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte in großer Runde mit ihren jeweiligen Sichtweisen und Erfahrungen miteinander ins Gespräch zu bringen. „Wir freuen uns, dass es dem pädagogischen Arbeitskreis gelungen ist, die Auseinandersetzung über ein so wichtiges Thema in unsere Schulgemeinschaft zu tragen und sind gespannt auf weitere Veranstaltungen dieser Art“ so Schulleiter Frank Bäuerle am Ende des Abends.