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Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
Verehrte Eltern und Gäste,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Schülerinnen und Schüler,

Ich begrüße Sie herzlich zu der heutigen Feierstunde, die der Verabschiedung unseres diesjährigen Abiturientenjahrganges gilt. 67 Abiturientinnen und Abiturienten haben es fast geschafft. : es gilt noch eine angenehme Pflicht, die offizielle Entgegennahme der Abiturzeugnisse zu absolvieren, danach gestalten Sie eine sicher gelungene Kiir , den Abiball , und danach werden Sie abheben zu Ihrem ganz persönlichen Flug ins Leben. 3 von Ihnen müssen noch einmal nachbrüten und die praktische Sportprüfung ablegen und dennoch wissen wir bereits, dass auch sie das Abi bestanden haben.

Zunächst möchte ich Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, ganz herzlich beglückwünschen! Sie haben diese erste große Prüfung Ihres Lebens, die Ihnen das Tor zu Studium und Beruf öffnet, erfolgreich absolviert. Sie sind völlig zu Recht stolz auf das Erreichte, denn Ihr Erfolg beruht auf eigener Leistung, Einsatz im Unterricht und in den Prüfungen.

Als ganzer Jahrgang erzielten Sie einen Durchschnitt von 2,3, die beiden besten unter Ihnen erlangten die Traumnote 1,0, 16 haben in ihrem Durchschnitt eine 1 vor dem Komma und bekommen dafür einen Preis. Bei etlichen von Ihnen konnten wir Lehrkräfte in den Kursstufen und im Abitur großen Einsatz und bewundernswerte Leistungen feststellen. Manche von Ihnen sind bis in die mündlichen Prüfungen absolut über sich hinausgewachsen haben auf den Punkt genau hervorragende Leistungen abrufen können.

Ich möchte Ihnen als Jahrgang danken, denn Sie haben beeindruckende Beiträge zu Ihrem und unserem gelingenden Lernen geleistet. Sie waren ein besonders interessierter Jahrgang, wollten viel wissen und haben mit Ihren Lehrerinnen und Lehrern zahllose Debatten auf höchstem Niveau geführt. Viele Ihrer Lehrerinnen und Lehrer waren oft sehr beeindruckt, wie aktiv Sie Unterricht mit gestaltet haben, und das steigert natürlich auch den Ertrag für alle. Als erster Jahrgang haben Sie in den Fremdsprachen Kommunikationsprüfungen absolviert und sich darin brillant geschlagen. Tief beeindruckt hat mich aus Ihren Reihen das Engagement für das schulische „Modell Europa-Parlament“. Da klemmten sich zwei mit einem Jahr Vorlauf hinter Schulleitung und Lehrer, blieben zäh dran und ermöglichten schließlich unserem 9er-Jahrgang eine von vielen von Ihnen gestaltete Debattenwoche mit Abschluss im Rathaus. Hut ab! Viele aus Ihrem Jahrgang haben sich über viele Jahre aktiv in die Schulgemeinschaft eingebracht und dafür möchte ich mich bei jedem von Ihnen herzlich bedanken: als AG-Leitungen, Aktive in der SMV, Schülersprecherin, als Mitglieder unserer Schulkonferenz, im Theater, in den Bands und im Chor, in der Hausi-Betreuung, im Indi-Club … waren Sie im Einsatz für uns. Ebenso engagierten sich etliche in den umliegenden Sportvereinen, sei es als höchst erfolgreiche Sportler oder als Jugendtrainger, und in Ihren Kirchengemeinden. Von solchem Engagement leben Schule und Gemeinwesen auch.

Auch Ihren Eltern gilt der Glückwunsch der Schule. Wir wissen, dass Sie, verehrte Eltern, die gymnasiale Laufbahn Ihrer Kinder mit Hoffen, vielleicht auch so manches Mal mit Bangen begleitet haben. Heute nun mit Beendigung der Schulzeit Ihrer Kinder verspüren sicher viele von Ihnen Freude, Stolz und auch Erleichterung. Sie haben sich in großer Zahl beim Pub, in der Schulkonferenz und im Elternbeirat engagiert, an der pädagogischen Arbeit der Schule mitgewirkt und einen tatkräftigen Beitrag zum lebendigen Miteinander an dieser Schule geleistet. Drei Eltern möchte ich dabei besonders hervorheben, denn mit Ihnen verlassen uns wahrhaft tragende Säulen. Liebe Frau Lodholz, Sie waren jahrelang das Pub-Herz, die Cheforganisatorin, die den Pub professionalisiert und die Elternteams gemanagt hat. Ich bitte um einen kräftigen Applaus für Ihren unermüdlichen Einsatz! Liebe Frau Schanz-Kollmar, Sie sind noch unsere stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende und haben viele Impulse zur schulischen Entwicklung geleistet. Liebe Frau Ruf, jede Woche schleppten Sie in den letzten Jahren schwere Geldbehälter aus der Schule und führten akribisch und professionell die Kassengeschäfte der Schulfamilie. Sie haben praktiziert, was mir sehr am Herzen liegt: Schule gewinnt ihre wirkliche Kraft und Ausstrahlung erst durch das tatkräftige Miteinander von Schülern, Eltern und Lehrern! Herzlichen Dank für diese Arbeit!

Mein Glückwunsch gilt auch Ihren Lehrerinnen und Lehrern, die Sie über viele Jahre begleitet haben und Sie nun mit Erfolg zum Abitur geführt haben. Zielgerichtet haben Sie diesen Jugendlichen die umfangreichen Kompetenzen für das Erreichen des Abiturs vermittelt. Die Kommunikationsprüfungen in den Fremdsprachen waren für Sie neu und wurden mit großem Einsatz und hervorragender Kooperation untereinander gestaltet. Heute kommt keiner mehr auf die Idee, die mangelnde rhetorische Kompetenz oder Präsentationsfähigkeit unserer Abiturienten zu beklagen, auf diesem Gebiet können sich die Universitäten nach unseren Schülerinnen und Schülern die Finger schlecken! Das Gymnasium hat sich in der Zeit meiner Berufstätigkeit wahrlich rasant entwickelt, die Nachfrage nach unserer Schulart ist ungeheuer hoch, die Bedingungen hinken inzwischen aber deutlich hinter den gestiegenen Anforderungen hinterher. So liegen die Sachkostenzuschüsse des Landes für die Gymnasien inzwischen bei der Hälfte der Sätze für Grund- oder Werkrealschulen. Das zeigt noch deutlicher, was wir trotz bei weitem nicht befriedigenden Ressourcen leisten können.

Ich möchte Ihnen als Ihre Schulleiterin heute meinen ganz tief empfundenen Dank für diese intellektuelle und pädagogische Arbeit aussprechen und sagen: ich bin stolz, in einem Kollegium arbeiten zu dürfen, das sich mit so viel Umsicht und Einsatz für den einzelnen Schüler agiert! Ich denke, auch Ihre Lehrerinnen und Lehrer haben heute Abend einen kräftigen Applaus als Zeichen des Dankes verdient.
Mein Dank geht auch an unsere neue stellvertretende Schulleiterin Frau Hebsacker-Zöllmer und den für die Oberstufe zuständigen, neuen Abteilungsleiter Herrn Bäuerle und dem Oberstufenberater Herrn Selz. Das Abitur wurde von diesem neuen Team perfekt vorbereitet und durchgeführt.
Herr Pander, Ihnen als Vorsitzendem der Schulfamilie möchte ich ganz herzlich dafür danken, dass die Schulfamilie wieder die Gelder für alle Preise bei Abiturienten mit Leistungen mit einer 1 vor dem Komma gestiftet hat.
Und was die Verköstigung am heutigen Abend betrifft, bitte ich schon jetzt um einen kräftigen Beifall für das Eltern-Team Ihrer Kursstufe und unseren Koch, Herrn Wolz. Sie leisteten unermüdlich Vorarbeit für den heutigen Abend.

Liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten,
"I can be what I wannABI", so heißt Ihr Abi-Motto, sehr kreativ von einer von Ihnen bildlich gestaltet und deutlich sichtbar am Fahrradabstellplatz platziert. Sie sagen also, dass das Ich sein kann, was es selbst bewirkt. Zu diesem Motto möchte ich Sie herzlich beglückwünschen, denn ich empfinde es als eines der besten, die ich in den letzten Jahren erlebt habe.

Mit Selbstdisziplin erreichen, was man sich als Ziel gesetzt hat, dabei Freude am Tun und am Leben nicht zu kurz kommen lassen, das steckt in diesem Motto. Und das ist ein Erfolgsrezept, über das jeder Glücks- und Achtsamkeitsforscher ins Schwärmen gerät. Leider habe ich nur einen Ihrer Kurse für wenige Wochen unterrichtet, dennoch weiß ich, dass viele von Ihnen unglaublich viel Selbstdisziplin unter Beweis gestellt haben. Dabei denke ich an eine mündliche Prüfung, bei der ich dabei sein durfte. Da konnte ich einen jungen Mann bewundern, dessen Abi auf Messersschneide stand und der noch richtig viele Punkte erzielen musste. Er hatte sich offenbar akribisch vorbereitet, eine richtiggehendes Trainingscamp absolviert und dann hörte ich ihn 20 Minuten hochkonzentiert mit schneller, klarer Sprache kreuz und quer durch den Unterrichtsstoff der letzten 2 Jahre turnen, zahlreiche Verbindungen ziehen und stets bereit sein, zügig das nächste Frage-Antwort-Ping-Pong zurückzugeben. Dieser junge Mann hat sich bewiesen, wieviel in ihm steckt und was er alles aus sich herausholen kann und dass er sich durch Niederlagen im schriftlichen Abitur nicht in einen Schmollwinkel abschieben lässt. Der ließ nicht umsonst nach Verkündung seiner Note einen lauten Freudenschrei durchs Schulhaus segeln, so groß war seine Freude über den eigenen Erfolg! Bei Selbstdisziplin denke ich aber auch an unsere beiden Traumnotenträgerinnen. Die eine ist sehr erfolgreiche Sportlerin, die oft genug für ihren Sport beurlaubt werden musste. Die andere hatte eigentlich gar keine Zeit für das schriftliche Abitur, weil sie ihr Herz an politische Rhetorik-Konteste wie das Modell Europaparlament verloren hat.
In Ihrem Motto steckt natürlich auch eine Kehrseite, ein Problem. Dort, wo es nur um das einsame, einzelne, um sich selbst kreisende Ich geht, schliddert eine Gesellschaft in eine Krise. Der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz hat sich mit dem gewachsenen Narzissmus in unserer Gesellschaft auseinandergesetzt und schreibt gar von einer „narzisstische(n) Gesellschaft“ (2012). Der Narziss bezieht alles auf sich, „er spürt nicht, was mit dem anderen ist, er nimmt nur wahr, wie der andere zu ihm steht: brauchbar oder nutzlos, Freund oder Feind.“(a.a.O., S.27) Wir als Lehrerinnen und Lehrer spüren, dass wir zunehmend mit Menschen zu tun haben, die in dieser Weise alles auf sich beziehen, die eigenen Begrenzungen nicht kennen oder nicht kennen wollen und sich auch nie verantwortlich für die Folgen des eigenen Tuns fühlen. Da ist dann der Lehrer Schuld, wenn die Lust am Lernen schwindet und da wird ein solidarisches Miteinander in einer Lerngruppe für völlig überflüssig erklärt. Für Maaz ist das Freisetzen von Empathie, von Einfühlung in sich und andere nötig, um die Freude und das Miteinander zu stärken. Empathie kann von uns freigesetzt werden: „Empathisch wird, wer sich selbst gut versteht, und nichts mehr (vor sich selbst) verbergen, verleugnen, sich zurechtbiegen und beschönigen muss.“ (a.a.O., S. 183) Eine solche Selbsterfahrung können Eltern, Freunde, kann auch Schule ermöglichen, wenn es uns Lehrern gelingt, in einen offenen, direkten Austausch mit Ihnen zu treten und Sie in Ihrer Persönlichkeit direkt anzusprechen. Auch in diesem Bereich wird mir ein beeindruckendes Gespräch mit jemand aus Ihrem Jahrgang in Erinnerung bleiben. Da saß der junge Mann bei mir, um sich für einen Mitschüler zu verwenden, dessen Probleme in einem Unterricht zu erklären und konnte gut abwägen, was da zwischen zwei, die in Konflikt miteinander geraden waren, wohl passiert war. Er selbst hatte von diesem für ihn schwierigen Gespräch ja so rein gar keinen Vorteil, hatte sich aber auf feine Weise in einen anderen eingefühlt.

Ich bin mir sicher, dass viele gerade aus Ihrem Jahrgang einen Beitrag werden leisten können, um den Narzissmus nicht noch mehr zum beherrschenden Prinzip in unserer Gesellschaft werden zu lassen.

Ich wünsche Ihrem Jahrgang viel an Freude und wahrgenommener Selbstwirksamkeit

Alles Gute und bleiben Sie in Kontakt mit uns!

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit

B. Graf