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Das Hegel-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen. Ich habe im Rahmen meines Hegel-Features (SWR2) mehrere Tage Zeit für einen Workshop bekommen, um gemeinsam mit Schülern der zwölften Klassen und ihrem Ethiklehrer Leben und Wirken des alten Herrn Hegel zu erkunden. Neugierig genug sind sie. Denn die Schüler wissen wenig bis gar nichts vom Namenspatron ihres Gymnasiums, der im Hause wesentlich als Gipsbüste vorhanden ist. Also haben sie eine Menge Fragen an den Meister. (zitiert von  →der Seite von Detlef Berentzen)

Radiobeitrag -- Video finden Sie auf der Website des Autors.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel wurde im Jahre 1770 in Stuttgart geboren und ging auch hier zur Schule. Einen Namen machte er sich als Philosoph des deutschen Idealismus. Seine Ideale sah er im "absoluten Geist" und er forderte ein "begreifendes Erkennen", wo bisher nur ein Nachdenken und Behaupten gestanden hatte. Hegel beschäftigte sich mit vielen Wissensgebieten: der Logik, der Naturphilosophie und der Geistesphilosophie. Seine stärksten Spuren hat er in der Philosophie der Geschichte hinterlassen. Geschichte ist bei Hegel "Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit".



Lebenslauf Hegels:

  • 1770: Am 27. August wird Georg Wilhelm Friedrich Hegel als Sohn des Herzöglichen Rentkammersekretärs und späteren Expeditionsrates Georg Ludwig Hegel und seiner Ehefrau Maria Magdalena, geb. Fromme, in Stuttgart geboren.
  • 1773 bis 1775 besucht er die deutsche, dann die lateinische Schule seiner Vaterstadt.
  • 1777: Übertritt zum Gymnasium Illustre, dem späteren Eberhard- Ludwig-Gymnasium in Stuttgart.
  • 1784: Tod der Mutter
  • 1785: Beginn des Tagebuchs in deutscher und lateinischer Sprache.
  • 1788: Maturum. Hegel tritt mit dem Wintersemester 1788/89 als Stipendiat ins Tübinger Stift ein und studiert Philosophie und Theologie an der dortigen Universität.
  • 1790: Ab dem Wintersemester 1790/91 bewohnen Hegel, Hölderlin und Schelling dasselbe Zimmer im Stift und schließen eine Freundschaft, die erst durch Hölderlins schwere Erkrankung und durch die langsame Entfremdung Hegels und Schellings ab 1807 auseinanderbricht. Hegel begeistert sich für Rousseau. Am 27. September promoviert er zum Magister der Philosophie.
  • 1793: Mit dem theologischen Kandidatenexamen am 20. September schließt Hegel sein Studium ab und erholt sich anschließend in Stuttgart, wo er mit G. F. Stäudlein zusammentrifft. Im Oktober nimmt Hegel die Hauslehrerstelle bei C. F. Steiger von Tschugg in Bern an.
  • 1797: Hauslehrer in Frankfurt a. M.. Im Systemfragment skizziert Hegel seine dialektische Methode. Übergang von theologischen zu staats-philosophischen Themen.
  • 1799: Tod des Vaters. Hegel erbt ein kleines Vermögen und kann nun die akademische Laufbahn einschlagen.
  • 1801: Durch Vermittlung Schellings, der mit 23 Jahren auf einen Lehrstuhl nach Jena berufen wurde, kann Hegel am 27. August in Jena habilitieren. Vorher erschien seine erste philosophische Schrift: Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems.
  • 1802: Hegel begründet mit Schelling das "Kritische Journal der Philosophie".
  • 1805: Ernennung zum a.o. Professor für Philosophie mit einer jährlichen Besoldung von 100 Talern.
  • 1806: Schlacht bei Jena und Auerstedt. Mit den letzten Manuskriptseiten seines grundlegenden Werkes Die Phänomenologie des Geistes in der Tasche verlässt Hegel die Stadt.
  • 1807: Hegel wid Chefredakteur der "Bamberger Zeitung".
  • 1808: Ernennung zum Rektor des Ägidiengymnasiums in Nürnberg mit dem Titel "Professor der philosophischen Vorbereitungswissenschaften".
  • 1811: Der einundvierzigjährige Philosoph heiratet die zwanzigjährige Marie von Tucher in Nürnberg.
  • 1812: Erscheint in drei Bänden sein Hauptwerk: "Wissenschaft der Logik".
  • 1816: Ruf auf den philosophischen Lehrstuhl der Universität Heidelberg. Neben den üblichen Vorlesungen (Logik, Metaphysik und Naturrecht) liest Hegel über Ästhetik und Geschichte der Philosophie.
  • 1817: Erscheinungsjahr der Enzyklopädie der philosophischen Naturwissenschaften. In den "Heidelberger Jahrbüchern für Literatur" veröffenlicht Hegel verschiedene philosophische und politische Artikel. Zum Jahresende trifft eine ehrenvolle Anfrage des Kultusministers von Altenstein aus Berlin ein.
  • 1818: Hegel wird Fichtes Nachfolger in Berlin. Antrittsvorlesung am 22. Oktober.
  • 1820: Hegel wird ordentliches Mitglied der Königlich-Wissenschaftlichen Prüfungskommission der Provinz Brandenburg.
  • 1821: Die Rechtsphilosophie erscheint unter dem Doppeltitel Grundlinien der Philosophie des Rechts und Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss;. In den Vorlesungen spricht Hegel zur Religionsphilosophie und zur Philosophie der Weltgeschichte.
  • 1822: Reise nach Brüssel und in die Niederlande.
  • 1824: Reise über Prag nach Wien.
  • 1827: Reise nach Paris. Auf dem Rückweg trifft Hegel in Weimar mit Goethe zusammen.
  • 1829: Hegel ist auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Der Einfluss des "Professors der Professoren" reicht über Preußen auf fast alle deutschen Universitäten. In Berlin überträgt man ihm das Amt des Rektors der Universität. Im Herbst begegnen sich Hegel und Schelling zufällig und zum letzten Mal in Karlsbad, wo sich Hegel zur Kur aufhält. Die Versöhnung der beiden scheitert an Schellings Gekränktsein.
  • 1831: Am 14. November stirbt Hegel überraschend nach kurzer Krankheit. Die Trauerrede in der Aula der Unversität hält zwei Tage später Rektor Marheineke. Anschließend wird Hegel neben Fichte auf dem Dorotheenstädter Friedhof in Berlin beigesetzt.

 

Hegel vollendete den deutschen Idealismus und schuf das umfassendste und einheitlichste Lehrgebäude der deutschen Philosophie. Für Hegel ist das Wesen der Welt die absolute Vernunft. Diese entfaltet sich in einem dialektischen Stufengang in der gesamten Welt. Die Entwicklungsgesetze der Begriffe sind nach Hegel auch die der Wirklichkeit. Die Lehre der Entfaltung des absoluten Geistes in den geistigen Schöpfungen des Menschen führte Hegel zu einer tiefsinnigen Natur-, Religions-, Kunst-, Rechts- und Geschichtsphilosophie. Die Religion wurde von Hegel als vernünftig begründet und der Philosophie untergeordnet. Ersteres wurde von den theistischen Rechts- oder Althegelianern (Göschel, Daub u.a.), letzteres von den radikalistischen Links- oder Junghegelianern (Marx, Feuerbach, Ruge, B. Bauer, Strauß u.a.) als entscheidend angesehen.

Literaturtipp: Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, München 1997